Dienstag, 16. August 2016

Hawaii Prints für den Sommer

Was ist das nur für ein Sommer dieses Jahr. Da kann man nur mit knalligen Prints dagegen halten. Zumindest mir geht es so. Wenn der Sommer nicht kommen mag und immer nur kurz anklopft, dann muss ich mir den Sommer eben anders herbeiholen. Hawaiiprints sind da ein wunderbares Mittel. Ein einfacher Schnitt ist schon ausreichend und die Wirkung ist enorm. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie oft ich auf dieses Shirt schon angesprochen wurde.















Mein Shirt hat noch nicht einmal Abnäher. So minimalistisch hätte ich im Nachhinein gar nicht sein müssen. Ein Abnäher hilft, um etwas mehr Bewegungsfreiheit zu schaffen (bei diesem Shirt zu sehen). Mehr als ein Abnäher an der Brust sollte es dann aber nicht sein, sonst ist das schöne Muster dahin.

Solche Schnitte sind gar nicht so leicht zu finden.. zumindest, genau dann, wenn man sie sucht. Geht es dir auch oft so? Du weißt genau was du nähen möchtest, kennst die Schnittmusterzeichnung haargenau und du hast sie definitiv schon in einem der hundert Burda Magazine gesehen. Nach einer ellenlangen Sucherei gibst du auf. Du weißt zwar, dass es den Schnitt gibt, aber dir fallen keine weiteren Möglichkeiten mehr ein, wie du in dem Schnittmusterdschungel fündig werden sollst.

An diesem Punkt habe ich beschlossen, dass ich mir das selbst konstruiere. Das ging tatsächlicher schneller als die ganze Sucherei. Ich habe für den Grundschnitt komplett ohne Abnäher aufgestellt, das beschleunigt die Konstruktion etwas. Im Nachhinein würde ich es aber nicht mehr so machen. Ein Abnäher bringt nochmal einiges mehr an Tragekomfort mit sich.

Konstruierst du dir deine Schnittmuster auch selbst? Was hast du bisher schon konstruiert?

Falls die Schnittkonstruktion für dich absolute Rocket Science ist, kann ich dir diesen Blogpost von EllePuls ans Herz legen. Sie hat etliche Schnittmuster für schlichte Shirts auf Herz und Nieren geprüft und in einem tollen Artikel zusammengefast.

Happy Summer,

* Julia


Verlinkt bei Creadienstag.

Donnerstag, 4. August 2016

Diese 5 Nähechniken heben deine Kleider auf das nächste Level


Planst du gerade selbst dein Kleid für den nächsten großen Auftritt zu nähen? Oder fragst du dich, welche Tricks die großen Designer verwenden, damit die Stars nicht ohne ihre trägerlosen Kleider am Ende des roten Teppichs da stehen?

In diesem Beitrag möchte ich dir einige Techniken zeigen, mit denen du dein Kleid nähtechnisch sofort auf das nächste Level hebst.


1. Eine Unterkorsage nähen


Damit ein trägerloses Kleid überhaupt hält, muss vor allem das Innere stimmen. Sonst läufst du Gefahr oben ohne dazustehen oder bist andauernd damit beschäftigt, alles wieder in die richtige Ordnung zu zupfen.
Für die Korsage habe ich auf ein bewährtes Schnittmuster von Burda zurückgegriffen, welches auch schon bei meinem Bombshell Kleid zum Einsatz kam. Damit hast du eine gute Basis für ein solches Kleid.

Als Stoff eignet sich alles, was eine feste Webart hat z.B ein Nesselstoff. Nur nicht zu steif, sonst wird es unangenehm beim Tragen. Die Cups verstärkst du entweder mit einer festen Wattelinie Einlage oder verwendest wie ich Laminat. Das ist ein Stoff der für BHs und Swimwear verwendet wird und an Schaumstoff erinnert. Ich habe die BH-Körbchen zusätzlich mit Bügeln und einem Gummiband unter der Brust vernäht - das ist aber nicht unbedingt notwendig.



Wenn du das Schnittmuster auf deine Figur angepasst hast, kommt der wichtigste Teil: das Einnähen der Spiralfedern. Hierzu nähst du ein spezielles Tunnelband auf. In die Öffnungen können dann die Federn eingeschoben werden, nachdem du sie auf die richtige Länge gekürzt hast. Das Kürzen funktioniert am besten mit einem Seitenschneider und mit einem kleinen Trick. Nicht die komplette Spiralfeder auf einmal durchtrennen, sondern erst den äußeren Ring der einen Seite, dann auf der anderen Seite zerschneiden. Jetzt springt sie von alleine außeinander. Noch die Kappen aufbringen zum Schutz aufbringen, ab damit in die Korsage und die Tunnel zunähen.



2. Der Staffierstich


Als nächstes muss die Unterkorsage ans Kleid. Dafür wird das Oberteil rechts auf rechts an der Ausschnittkante auf die Korsage gesteckt. Für einen schönen Abschluss fasse ich noch ein Schrägband mit, das ich dann nach innen Umlege. Mit einem Staffierstich wird es auf der Innenseite angenäht.

Wenn das Kleid nahezu fertig ist wird noch einmal dieser Stich benötigt. Die Unterkorsage wird in der Taille mit dem Staffierstich auf den Rockteil genäht.



3. Spitze auf Tüll applizieren


Die Technik, warum ich überhaupt dieses Kleid nähen wollte. Beim Stöbern durch die Bilder der Haute Couture schauen der großen Designer habe ich mich immer gefragt, wo bekommt man nur alle diese traumhaften Spitzenstoffe her. Es ist doch unmöglich, dass die Spitze genau so verwendet werden kann, dass sie sich auf dem Kleid zu einem absoluten Traummuster verarbeiten lässt.

Mittlerweile konnte ich dem Kopfzerbrechen ein Ende bereiten. Natürlich ist es zum einen so, dass die Designer nicht wie die 'normale' Hobbyschneiderin hunderte Stoffläden durchkämmt in der Hoffnung auf die perfekte Spitze. Sie werden extra hergestellt für die Couturiers.
Zum anderen entstehen die teilweise sehr aufwändigen Muster durch zerschneiden der Spitzenstoffe und dem neu Anordnen auf einer Schneiderbüste. In meinem Blogpost zur Planung des Kleides habe ich mehr darüber geschrieben und auch einen Link eingefügt.




Damit die Spitze so verarbeitet werden kann, muss ein feiner Tüll über das Oberteil genäht werden. Ich habe einen hautfarbenen genommen, der auch über dem gelben Stoff die Kleidfarbe nicht verfälscht.
Jetzt beginnt der fummelige Teil des Kleides. Die Spitze aus dem Stoff möglichst genau an den Kanten ausschneiden und auf das Kleid nähen - mit der Hand. Dazu eignet sich am besten ein Überwendlingstich.



4. Den Rock füttern 

 

Für den Rock habe ich mir aus meinem bewährten Schnittmuster für ein Etuikleid (siehe Chanel-Kleid & Dolce&Gabbana-Kleid) einen neuen Schnitt gezeichnet. Im Prinzip kannst du hier alle möglichen Schnitte kombinieren und ausprobieren. Ich habe mich für eine Variante entschieden bei der die vordere Rocklänge etwas kürzer ist als die hintere.

Die Rockteile schneidest du genauso auch noch einmal aus einem Futterstoff zu. Die beiden Röcke legst du anschließend übereinander, so dass die rechten Stoffseiten innenliegen. Die Saumnaht steppen und den Rock auseinanderlegen. Jetzt nur noch den Futterrock schmalkantig auf der Nahtzugabe abschneiden und dann die überstehenden Reste der Zugabe zurückschneiden.



Das ganze sollte gut gebügelt werden, bevor der Futterrock an der Taille vernäht wird. Hier reicht ein einfacher Heftstich aus. Wichtig ist nur, dass die Stichlänge nicht zu groß ist und du nur die Nahtzugabe mitfasst. Jetzt ist das Kleid bis auf eine Naht schon fast fertig.



5. Einen nahtverdeckten Reißverschluss einnnähen


Noch vor gar nicht allzu langer Zeit waren mir die nahtverdeckten Reißverschlüsse ein Graus. Nie saßen sie an der richtigen Stelle und den Stoff habe ich nie dahin bekommen, wo ich ihn eigentlich hin haben wollte. Aber nachdem ich mit der richtigen Technik und Nähfuß die Sache angegangen bin, hat es plötzlich funktioniert.

Ich verwende nicht mehr den normalen Reißverschlussfuß, sondern einen Speziellen für nahtverdeckte Reißverschlüsse. Der Unterschied ist, dass der Spezialnähfuß die Zähnchen zur Seite biegt. Mit der Nähmaschine kommt man nun genau in die Falte. Von außen ist nichts mehr zu sehen. Ein weiterer entscheidender Vorteil ist, dass das Kleid nicht mehr so leicht unter dem Füßchen wegrutscht.



Auch wenn es etwas mehr Zeit kostet als ein Kleid nach einem regulären Schnittmuster zu nähen, lohnt sich der Aufwand für ein nicht alltägliches Stück. Mit dieser kleinen Sammlung kannst du die verschiedensten Kleider auf einem hohen Niveau nähen.

Und welche Technik wirst du als nächstes ausprobieren?

Lieben Gruß,

* Julia

Mittwoch, 27. Juli 2016

Mein neues Haute Couture Sommerkleid

Das Jahr 2015 ging rasend schnell zu Ende und holla di hopp flatterte eine Hochzeitseinladung nach der anderen ins Haus. Ich mag Hochzeiten, nicht nur wegen den schönen Feiern, sondern weil man sich bei diesen Gelegenheiten so richtig in Schale werfen kann. Und am schönsten ist es in einem selbstgenähten Kleid.

in liebevoller Handarbeit selbstgenähtes Haute Couture Kleid


ein Haute Couture Hochzeitsgast-Kleid in strahlendem gelb

Im November habe ich also schon die ersten Entwürfe und Ideen für mein Outfit zusammengetragen. Eines Stand fest: Es musste mit Spitze sein. Ich wollte unbedingt einmal die Lace-Applique Technik ausprobieren, über die ich schon so vieles gelesen und gesehen hatte. In meinem Planungbeitrag könnt ihr nochmal genauer darüber nachlesen.

Was die Farbwahl angeht, habe ich auf einen hellen Gelbton zurückgegriffen. Für mich eine neue Farbe. Meine erste Wahl sind sonst oft starke und leuchtende Farben. Auf den Hochzeiten die Jahre davor habe ich zum Beispiel gerne ein leuchtendes magenta-farbenes Kleid getragen. Das wird es übrigens bald hier auf dem Blog zu sehen sein;).

Haute Couture selbstgenäht

Alpenblick wohin man schaut am Staffelsee

Traumkulisse für mein selbstgenähtes Sommerkleid

traumhaftes Sommerkleid in zitronengelb mit Spitze

trägerloses Sommerkleid selbstgenäht mit Spitze

Beim Schnittmuster konnte ich glücklicherweise auf Bewährtes zurückgreifen. Die Korsage des Bombshell Kleids mit dem ich kürzlich den zweiten Platz beim Burda Style Talent abgeräumt habe hat sich auch hier bezahlt gemacht. Das heißt bei mir zwar nie, dass ich schneller vorankomme, aber die Anpasserei vereinfachte sich schon einmal für einen Teil des Kleids. Ich habe trotzdem so einige Schnittpartien mehrfach über den Haufen geworfen. Zum Beispiel habe ich die Cups ausgetauscht und die Korsage mit den Techniken aus dem Bereich Dessous nähen verheiratet. Über die Bügel und die Foameinlage bin ich sehr froh, das erhöht die gefühlte Sicherheit ungemein und alles bleibt dort, wo es hingehört.

Nachdem endlich das letzte Detail inklusive des Herzausschnittes ausgetüftelt war, konnte ich mich an die eigentliche Arbeit mit der Spitze machen. Dazu habe ich Blumenmotive aus einem Spitzenstoff ausgeschnitten und auf einen feinen hautfarbenen Tüll Stück für Stück appliziert. Mit jeder Blüte, die auf dem Oberteil hinzukam, habe ich mich mehr und mehr auf den Moment gefreut, es endlich anziehen zu können.

Ich probiere meine Kleider in der Entstehung so oft an. Kennst du auch dieses Gefühl und kannst es kaum abwarten bis das Projekt fertig gestellt ist?


Willst du mehr über die Verarbeitung und die Haute Couture Techniken dieses Kleides erfahren? Dann verpasse nicht den nächsten Beitrag und folge meinem Blog mit Bloglovin:


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Lieben Gruß,

* Julia


Verlinkt bei MeMadeMittwoch.

Dienstag, 12. Juli 2016

Inspirationen: Die schönsten Schnittmuster für fruchtige Prints

Überall wo man im Netz unterwegs ist findet man sie, Shirts und Kleider bunt wie ein Obstsalat. Auch die großen Designer lieben die bunten Früchte und bedrucken ihre Kleidungsstücke mit Zitronen und Kirschen. Und in den Stoffläden sind gerade Ananas und Wassermelone die absoluten Renner. Meine schönsten Inspirationen und Schnittmuster habe ich euch heute zusammengestellt.


Erfrischende Wassermelone


Den Anfang macht die Wassermelone. Sie ist bereits Liebling vieler Hobbyschneiderinnen und entzückt vor allem die Jüngsten unter uns, die sich in den Werken ihrer nähenden Mamis absolut wohl fühlen. Wer keine Kinderkleidchen nähen mag, muss dennoch nicht auf sein Lieblingsobst verzichten. Wie wäre es mit einer tollen Wassermelonen-Clutch oder einem Rock?

Eine tolle bebilderte Anleitung für eine Wassermelonen-Clutch hat übrigens Katrin von FrauVau parat.


Spritzige Zitrone


Bei Zitronen denken wir sofort an Sonne, Limonade und Sizilien - es gilt als das Land, in dem die Zitronen blühen. Dort wachsen die Zitrusbäume milionenfach Pro Jahr werden huntertausende Tonnen dieser exotischen Früchte geerntet. Kein Wunder also dass sich die Designer des italienischen Label Dolce&Gabbana sich regelmäßig von dem besonderen Flair dieser Insel inspirieren lassen und die Früchte zahlreich auf ihren Kleidern platzieren.




Als Vintage Schnitt zum Beispiel bei Burda. Oder als Jumpsuit? Ich mag den Schnitt von La Maison Victor.


Tropische Ananas


Wer auf Instagram und den zahlreichen Fashionblogs unterwegs ist hat längst erkannt - die Ananas ist der Hipster unter den Früchten. Sie ziert Turnbeutel, Hosen, Kleider und macht jedes Shirt zum It-Piece. Sogar Susanne, die schon seit langem erfrischend fruchtige Prints für ihr Label Hamburger Liebe designt, hat die Trendfrucht in ihre Kollektion aufgenommen.



Die Ananas macht sich gut auf einer schmalen Hose. Dazu gibts einen schwarz/weiß gestreiftem Blazer.


Süße Kirsche


Sie ist für mich die Grande Dame der Früchteprints. Unter den Rockabillies ist sie schon lange der Dauerbrenner auf den Kleidern, aber auch die Stoffläden haben Kirschenprints meist im Standardsortiment. Deshalb greifen wir immer wieder gerne zurück auf diese entzückenden Stoffe. Sie machen jedes Kleid sommerlich und verleihen ihm eine besondere Weiblichkeit.


Die Vorreiterin ist Gretchen Hirsch, die ihre eigene Schnittmusterlinie mit einem Rockabilly Touch bei Butterick herausgebracht hat. Das hier ist mein absoluter Favorit unter den Schnitten.


Mehr buntes Obst gibt es außerdem auf meinem Pinterest Board "Fruity Sewing Inspiration".


Jetzt müsste ich mich nur noch für ein Projekt entscheiden. Ich würde am liebsten alle Schnitte und Früchteprints vernähen. Was meint ihr? Habt ihr einen Favoriten?


Lieben Gruß,

* Julia


Verlinkt auf Creadienstag & Dienstagsdinge.

Montag, 4. Juli 2016

Ein selbstgenähtes Brautkleid aus traumhafter Seide

Es wird wieder geheiratet und auch hier auf dem Blog läuten die Hochzeitsglocken. Ich selbst heirate zwar nicht. Aber ich nähe gerade eifrig wie ihr vielleicht schon auf Instagram verfolgt habt oder hier auf dem Blog ein Hochzeitsgastkleid. Heute geht es jedoch nicht um mein Kleid sondern um meine Freundin. Sie hat sich in ihrem Traumkleid das JA-Wort gegeben. Das Kleid war nicht nur mein Hochzeitsgeschenk an sie, sondern ich habe ihr das Kleid nach ihren Wünschen auf den Leib geschneidert.









Ausgangspunkt war eines ihrer Lieblinkskleider von Desigual. Dieses Kleid hatte eine Empire Line, die ihr sehr gut steht. Dazu hatte das Kleid einen V-Ausschnitt und einen Rock in A-Linie. Daran haben wir festgehalten, denn damit hatte sie ihre perfekte Silhoutte für sich schon lange gefunden. Sie war zwar noch in verschiedenen Brautläden zur Kleideranprobe. Es stellte sich nach einigen teilweise verrückten Kleider sehr schnell heraus, dass es sie schon gefunden hatte, was sie suchte. Das ein kurzes sommerliches Hochzeitskleid mit Empirelinie aus einer schönen Seide.

Für mich war das Hochzeitskleid der Einstieg die Couture-Näherei. Gelesen über die Techniken hatte ich zwar schon einiges. Nur vom Lesen alleine wird man noch nicht schlau. Das war die perfekte Gelegenheit zum Ausprobieren. Es war zwar nicht immer leicht und hat mich auch ein paar klitzekleine Nerven gekostet, aber das war es wert. Das Projekt hat meinen Nähkenntnissen einen richtigen Schub nach vorne verpasst. Und vor allem habe ich das Nähen mit der Hand richtig schätzen gelernt. Es entspannt unglaublich und oft hat man viel mehr Kontrolle über das Nähgut.

Die Lernkurve war unglaublich steil. Unsere ausgesuchte Seide ein (Alp)traum. Leicht Elastisch, dafür ein so schön weicher Griff. Das hat sich zum ersten Mal nach der Vorbehandlung und dem Trocknen auf dem Wäscheständer gezeigt. Es hat sich ein schönes Rechteck eingeprägt. Hiiiilfee!! Nochmal waschen ;-)..
Für die Verarbeitung habe mir sogar ein extra feines Garn aus reiner Seide besorgt. Mittlerweile gibt es das schon gar nicht mehr. Vergleichbar ist es von der Stärke her sicherlich mit Stickgarn. Dazu habe ich passende, feinste kurze Handarbeitsnadeln besorgt. Damit lässt sich die Seide super vernähen ohne dass sie beschädigt wird. Wenn ihr mehr wissen wollt zu den Faden- und Nadelstärken in der Haute Couture, lasst es mich wissen. Vielleicht wäre das ein Thema für einen Blogpost.

Für die Nähmaschine habe ich mir eine Geradstichplatte zugelegt, damit sie nicht auf die Idee kommt die schöne Seide zu fressen. Somit war der Stoff dann kein Problem mehr, mit dem Seidenfaden wollte Sie am Anfang trotzdem nicht arbeiten. Ich habe dann eine schöne Zusammenfassung von Amann gefunden, wo verschiedene Probleme im Stichbild sehr detailliert erläutert werden. (Hier könnt ihr das ganze nachlesen bei Interesse: Vermeidung von Nahtkräuselungen). Die Fadenspannung war das Problem, ich musste sie fast auf null stellen. Dafür wurde ich am Ende mit einer ganz feinen und glatten Naht belohnt. Wenn man mit zwei Fingern über die Naht streicht, spürt man kaum mehr den Faden. Ein Traum!

Ich weiß, das für die ein oder andere mag das vielleicht absurd klingen. Aber ich kann mich darüber tierisch freuen. Das ist für mich die absolute Perfektion.

Den Schnitt habe ich selbst konstruiert und in mehreren Anprobe-Schritten verfeinert. Die Empire Linie ist in einem breiten Streifen aus Dupionseide gehalten, der im Rücken schmal zuläuft. Sowohl der vordere als auch der Rücken-Ausschnitt sind in V-Form. Bei den Ärmeln haben wir uns für die Fledermaus-Variante entschieden. Das Kleid ist zudem komplett gefüttert. Sonst würde einfach alles durchscheinen bei diesem zarten Stoff.


Was macht das Kleid zu einem Couture Brautkleid?


Ich habe schon einiges zum Stoff und den Zutaten geschrieben. Sie alleine würden noch keine Couture Eigenschaft rechtfertigen. Das Besondere an diesem Kleid sind die verwendeten Techniken.



Die Ausschnittkanten: In die Ausschnittkanten sind Futterstreifen im Fadenlauf eingearbeitet. Die Länge der Streifen ist minimal kürzer als die Kante selbst. So kann ich sicherstellen, dass die Ausschnittkante, welche im schrägen Fadenlauf zum Ausdehnen neigen würde, schön anliegt und ihre Form behält. In Ready-To-Wear Fashion würde man Ausschnitte mit bügelbarem Lisierband vor dem ausleiern schützen. Das geht einfach schneller.

Die Nähte: Auch die schönste Seide neigt irgendwann zum Ausfransen und muss deshalb versäubert werden. Den Futterstoff muss ich gar nicht erwähnen, der erst recht. Damit die Nahtzugaben sich auf keinen Fall durchdrücken, war hier nach einer sehr feinen Nahtsicherung gefragt. Alle Nahtzugaben habe ich mit dem feinen Seidengarn von Hand mit Überwendlingsstichen gesichert. Somit war selbst nach dem Bügeln der Nahtzugabe von den Stichen außem am Kleid nichts zu sehen.

Die Verarbeitung des Futters: Normalerweise würde man an den Kanten die Futterseite schmalkantig absteppen, damit sich das Futter beim Tragen des Kleides nicht nach außen dreht. Das Absteppen habe ich mit der Hand gemacht. Hier eignet sich der Rückstich. Man arbeitet so, dass alle Lagen außer der äußeren mitgefasst werden, jedoch auf dem Futter nur ein kleiner Punkt zu sehen ist (wie auch beim Chanel Kleid, dort gibt es Bilder von dieser Technik). Das erfüllt die gleiche Funktion wie das schmalkantige Absteppen mit der Nähmaschine, trägt jedoch nicht auf bzw. drückt sich durch den feinen Stoff nach außen durch.

Der handgenähte Rollsaum: Bei meinen Ansprüchen hat dieses Kleid für den Saum nur eine Art der Verarbeitung zugelassen - ein mit der Hand genähter Rollsaum. Hast du das schonmal ausprobiert? Gemacht wird das auch bei vielen Seidenschals und ist leichter als gedacht. Mit ein bisschen Übung geht das genauso gut (oder sogar besser) als mit der Nähmaschine. Diese Option ist wegen eines fehlenden Rollsaumfußes aber sowieso weggefallen.
Zuerst markiert man sich die Saumlinie mit einem Heftfaden. Dann kürzt man die Nahtzugaben auf eine einheitliche Breite. Die Stiche werden nun so versetzt aneinander gereiht, dass sich der Saum wie von Zauberhand perfekt rollt, wenn man am Faden zieht. Ich war jedenfalls hin und weg, als ich das zum ersten Mal ausprobiert habe.
Es ist natürlich etwas Arbeit, aber es lohnt sich. Eine Nähfreundin, die miterlebt hat wieder Rollsaum entstanden ist, zieht mich heute noch liebevoll damit auf :D Lieben Gruß, meine Liebe ;)

Die Applikationen: Das besondere an dem Brautkleid waren die Blütenapplikationen im Rückenausschnitt und auf dem Rock. Diese habe ich mit den feinsten Stecknadeln, die ich ergattern konnte aufgesteckt und mit kleinen Handstichen appliziert. Et Voila! Fertig ist das Traumkleid.












Nicht nur nähtechnisch hat es sich gelohnt. Die überwältigende Freude der Braut bei der finalen Anprobe und am Hochzeitstag des Bräutigams, als er sie zum ersten Mal in dem Kleid sah. Das ist einfach der schönste Dank, den man sich vorstellen kann. Ein einmaliger Moment, von dem ich sicher noch meinen Enkeln erzählen werde! Wir schwelgen heute noch oft und gerne in den Erinnerungen an diese schöne Hochzeit.

Mal sehen ob ich noch einmal so ein Kleid nähen werde. Hast du schon einmal ein Brautkleid selbstgenäht oder würde das für dich in Frage kommen?

Stef von seaofteal näht beispielsweise gerade an ihrem Brautkleid hat sie verraten. Wir sind schon alle ganz gespannt ;-) Fröbelina hat sich selbst auch ein zauberhaftes Kleid für ihren schönsten Tag genäht.
Ich freue mich über eure Kommentare und deinen Link zu deinem selbstgenähten Traumkleid.

Lieben Gruß,

* Julia